Königreich Heligonia

Das Ogedentum

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Die Schöpfung

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Am Anbeginn der Zeit ritt der Sonnengott Helios auf seinem Sonnendrachen Crelldinor durch die Dunkelheit des Universums. Da traf er auf die ruhende Poëna. Vom Lichte Helios geblendet und seiner Wärme erwachte sie aus ihrem tiefen Schlaf. Beim Anblick der Erdgöttin empfand der Sonnengott eine tiefe Zuneigung, die von Poëna erwidert wurde und beide vereinigten sich. Dabei zeugten sie ihren Sohn Xurl. Bei seiner Geburt ergoß sich fruchtbares Wasser aus Poenas Leib und bildete so die Flüsse und Meere. Nach einiger Zeit gebar Poëna eine Tochter: Saarka. Doch als sie heranwuchs neidete sie ihrem Bruder Xurl. Er ruhte auf seiner Mutter Poëna und wurde von seinem Vater Helios gewärmt. Wütend fuhr Saarka zwischen Himmel und Erde umher und entfachte schreckliche Stürme. Xurl wiederum erzürnte der Neid seiner Schwester und schleuderte ihr mächtige Wasserwogen entgegen. Diese entsandte Blitze und so entbrannte ein furchtbarer Kampf. Dabei wurde der Sonnendrachen Crelldinor getötet und fiel in neun gleißenden Feuerstrahlen zur Erde herab. Da geboten ihnen Helios und Poëna Einhalt. Saarka zog sich dann abseits von Helios Strahlen unter den Leib Poenas zurück. Doch in der Nacht, wenn Helios Kraft schwächer wird, steigt sie herauf, um als Mond das Geschehen auf der Erde zu beeinflussen. Sie verbreitet Eis und Sturm, und wenn ihre Kräfte bei Vollmond am größten sind, wagt sie den Kampf mit ihrem Bruder Xurl, bei dem meist gewaltige Springfluten entstehen. Helios konnte nun ohne seinen Sonnendrachen nicht mehr weiter durch die Unendlichkeit ziehen und kreist seither über seiner Geliebten Poëna, um sie zu wärmen. Am Ende jedes Tages sinkt er zu ihr herab, um ihr Trost zu spenden. Poëna wiederum erschuf gemeinsam mit Xurl die Pflanzen und die Tiere, damit sich Helios an deren Anblick erfreuen kann. Doch war es Saarka, die einigen Wesen mit sanftem Wind eine Seele einhauchte, um einen Teil ihrer Schuld zu tilgen. 
So berichten die Ogeden-Priester seit uralter Zeit über die Entstehung der Menschen. 
 
 

Helios, Gott der Sonne

Helios fand Gefallen an den Menschen, er bewunderte ihre Geschicklichkeit und ihren Verstand. Doch ihre Körper sind unvollkommen und sterblich. Nach dem Tode der Menschen irrten ihre Seelen auf der Erde umher. Da sandte ihnen Helios den Falken Gwon, der die Seelen der Verstorben zu ihm geleiten soll. Menschen, die ein heliosgefälliges Leben geführt haben, weist er einen Platz neben sich am Himmel zu. Nachts blicken sie als Sterne vom Firmament herab. 

Poëna, Göttin der Erde

Auch sie ist den Menschen wohlgesonnen. Ihr fruchtbarer Leib ernährt die Lebewesen und bietet ihnen Zuflucht. Nach dem Tode wird ihr wieder zurückgegeben, was sie gespendet hat und so schließt sich der Kreislauf des Lebens. Sie gab den Menschen die Fähigkeit zu lieben, damit sie sich von den Tieren unterscheiden. Bei jeder körperlichen Vereinigung, die zwischen Menschen stattfindet wird die Göttin geehrt, die ihr Wohlgefallen darin ausdrückt, daß sie den Liebenden Nachkommen schenkt. 

Xurl, Gott des Wassers

Ohne das Zutun Xurls wären die Menschen ohne Wasser und somit würden sie ihr Leben verlieren. Doch ist auch er, wie seine Schwester launisch und in seinen Stimmungen wankend. Erzürnen ihnen die Menschen, so läßt er mächtige Wogen im Meer wachsen oder versagt ihnen den kostbaren Regen. Seine Heimat hat er auf dem tiefen Grund der Jolsee. Von dort wandert er in Gestalt eines Fischmenschen über die Flüsse und Seen der Erde, um zu sehen, ob die Menschen seiner würdigen.

Saarka, Göttin des Mondes. Windes und des Frostes

Ihre Heimstatt ist die Unterwelt. Menschen, die nicht heliosgefällig gelebt haben und somit keinen Platz für ihre Seele am Himmel erhalten nimmt sie in ihr Reich auf. Die, die ihr schon zu Lebzeiten dienen und huldigen verleiht sie große Macht und dunkle, magische Kräfte. Nach dem Tode entsteigen ihre Seelen des Nachts aus der Unterwelt und ziehen als Nebel, der die Menschen ängstigen und verwirren soll, durch die Lande. 

 
 
 
 
 

Der Mensch und die Götter

Da die Götter allgegenwärtig sind und direkt Einfluß auf das Schicksal der Menschen nehmen, sind diese stets bemüht ihren Göttern wohlgefällig zu sein. Zahlreiche Schreine, die von den Ogeden-Priesterinnen und Priestern betreut werden, dienen als Opfer- und Gebetsstätte. Es werden keine Tempel oder Kirchen errichtet, die heiligen Orte befinden sich in Steinkreisen, Höhlen, an Quellen oder an Bäumen.
 

Die Ogedengeweihten

Diese kann man durchaus als Druiden bezeichnen, denn sie betreuen die Gläubigen nicht nur in Glaubensfragen und unterstützen sie in der Anhörung der Götter, sondern heilen auch mit Hilfe der angerufenen Gottheit Krankheiten und Wunden. Die Art und Weise der Heilung hängt vom einzelnen Druiden selbst ab und auch welche der vier Götter um Hilfe gebeten wird. So sind Ogeden-Priester, die sich Poëna zugehörig fühlen, eher geneigt Kräuter und Pflanzen einzusetzen. Heilendes Wasser wird aus den heiligen Quellen des Xurl entnommen und von Helios wird Wärme, Kraft und Licht gespendet. Eine Ausnahme hierbei sind die Jüngerinnen und Jünger Saarkas. Mittels geheimer Rituale und allerlei Kräutern wird die Kraft der Göttin beschworen. Dabei erhalten die Anhänger Saarkas magische Kräfte, die nicht nur zum Wohle der Menschen eingesetzt werden. Daher werden die Saarka-Priesterinnen und Priester auch als Hexen und Hexer bezeichnet. 
Besondere Feierlichkeiten, wie zum Beispiel das Ritual zur Helios-Wende, müssen von Priesterinnen und Priestern aller vier Götter gemeinsam vollzogen werden.
Schon lange vor der Besiedlung Heligonias durch die Menschen existierte der ogedische Glaube und man betete zu den vier Göttern seit ewigen Zeiten. Legenden berichten, daß es Helios selbst war, der den Menschen den Weg in das neue Land wies. Ihm zu Ehren nannte man das Land Heligonia. Im Laufe der Zeit drangen die Menschen immer tiefer in das Land vor und ihre Ratgeber und Heiler, die Ogedengeweihten, errichteten heilige Schreine an den Stellen, die ihnen von den Göttern eingegeben wurden. Jeder dieser Schreine wird von einem oder mehreren Geweihten betreut und gilt als Anlaufstelle für Hilfesuchende. Jedoch kann ein Ogedenpriester auch wirken, wenn er sein Leben mit der Wanderschaft verbringt und keinen Schrein zu betreuen hat. Wichtig ist nur, daß der Lebensunterhalt des Geweihten durch seine Arbeit gesichert ist, denn die ogedische Glaubensgemeinschaft besitzt keinen hierarchischen Aufbau, der für eine Bezahlung der Geweihten zuständig ist. Daraus ergibt sich ebenso, daß die Ogedengeweihten keine Steuereinnahmen haben und auch keine Steuern zu entrichten haben. 
Da die Geweihten durch eine der vier Gottheiten berufen werden, ist ihr Wirken und die Art ihrer Kräfte davon abhängig, welchem Gott sie zugetan sind. Die nachfolgende Gliederung enthält die wichtigsten Aufgaben der Ogedenpriester:
 

Die Helios-Geweihten

In jeder größeren Ansiedlung ist ein Heliosgeweihter unabdingbar, denn zu dessen wichtigsten Aufgaben zählt die Überwachung der Rechtsprechung. Zeugen und Angeklagte werden von ihnen vereidigt und Gerichtsbeschlüsse sowie Protokolle geschrieben und beglaubigt. Bei unschlüssiger Beweislage sind sie in der Lage Helios um ein Götterurteil anzurufen. Auch notarielle Handlungen müssen von den Heliosgeweihten unterzeichnet werden. Zu den einfacheren Pflichten gehören das Verfassen von privaten Schriftstücken, Vorlesen und Schreibdienste im Allgemeinen. Nie wird die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit eines Heliosgeweihten in Frage gestellt, denn er ist seinem Gott gegenüber der Wahrheit verpflichtet. Auch kann ein weltlicher Würdenträger (Adlige, Landverweser usw.) nicht gleichzeitig ein Helios-Geweihter sein. 
 

Die Ausbildung zum Helios-Geweihten

Der Berufene sucht sich einen Heliosgeweihten, der ihn zur Ausbildung in sein Haus aufnimmt. Je nach Begabung und Vorbildung dauert seine Lehrzeit zwischen einem und drei Jahren an.. Danach kann der Lehrling lesen, schreiben, rechnen und kennt den Inhalt der Halsgerichtsordnung und kann diese deuten und anwenden. Als Tochter bzw. Sohn des Helios erhält der neue Heliosgeweihte das heilige Helios-Amulett und begibt sich auf die Suche nach dem Ort, den Helios ihr bzw. ihm als Wirkungskreis vorgesehen hat. Bei weiser Amtsführung und heliosgefälligem Leben kann ein Heliosgeweihter zum Hochgeweihten berufen werden und erhält in feierlicher Zeremonie das Hochgeweihten-Amulett.
 

Darstellung eines Helios-Geweihten

Als eine Frau oder ein Mann von großen Ansehen in der Öffentlichkeit wird auf eine schöne, möglichst weiße Robe wert gelegt, die das Zeichen von Helios trägt. Zur Grundausstattung gehören eine Anzahl von Schriftrollen, Schreibzeug und ein Exemplar der Halsgerichtsordnung.
 

Die Poëna-Geweihten

Zu den verbreitesten Geweihten der Götter gehören in Heligonia die der Poëna. Besonders bei der Landbevölkerung sind die Poëna-Geweihten ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Vielerlei Krankheiten können von den Geweihten erkannt und behandelt werden. Mit Hilfe von enormer Kunde der Heilkräuter und durch Gebete an die Göttin heilen sie Verletzte und Kranke. Todgeweihten spenden sie Trost, Linderung und bereiten sie in der Zwiesprache mit der Göttin auf den Tod vor. Verstümmelte oder stark gequetschte Glieder können die Poëna-Geweihten fachgerecht amputieren und versorgen. Nur in seltenen Fällen kann ein Wunder erwirkt werden, so daß das verlorene Gliedmaß wieder nachwächst. Ein wichtiger Bestandteil ihres Wirkens ist das Segnen der Feldfrüchte beim Ausbringen der Saat und das Segnen der Ernten. Menschen, die sich in Liebe zugetan sind und ihre Verbindung vor der Göttin segnen lassen wollen, bitten die Poëna-Geweihten um eine feierliche Zeremonie der Zusammengabe. Dabei sind drei Formen der Ehe möglich:

Die Bena-Ehe: Die Partner leben nicht zusammen, sind sich jedoch in Liebe verbunden und teilen das Lager mit-einander.
Die Poëna-Ehe: Sie ist die häufigste Eheform und dauert ein Jahr und einen Tag lang. Sie kann auf Wunsch beider Beteiligter immer wieder um den gleichen Zeitraum verlängert werden. 
Die Lebensehe: Diese Verbindung wird am seltensten gewählt und meist von Paaren, die schon mehrere Poëna-Ehen hintereinander geschlossen haben.

Frauen und Männer, die noch keine Nachkommen haben bitten um ihren Beistand in einem gemeinsamen Gebet an die Göttin. Schwangere Frauen lassen sich ihren Leib vom Poëna-Geweihten segnen. Einige der Geweihten widmen sich neben ihren pflanzenkundigen und heilkundigen Studien auch den musischen Künsten, um der Göttin zu gefallen.
 

Die Ausbildung zum Poëna-Geweihten

Die Ausbildung zur Poëna-Geweihten erfordert große Geduld, Ausdauer und Geschick. Während der mehrjährigen Lehrzeit werden genaueste Kenntnis aller Pflanzen, Unterscheidung von gewöhnlichen, giftigen und heilkräftigen Gewächsen, sowie deren Zubereitung und Wirkung gelehrt. Die physische Betreuung der Kranken und Hilfesuchenden ist dabei ebenso wichtig wie soziales Engagement. 
 

Darstellung der Poëna-Geweihten

Die Poëna-Geweihten tragen meist eine naturfarbene Robe. Selbst auf Reisen führen sie immer einen angemessenen Vorrat an Heilkräutern, Tränken und Salben mit sich. Ein Rezeptbuch zur Herstellung verschiedenster Heilmittel ist für einen Poëna-Geweihten unabdingbar. Gespräche mit anderen Vertretern der Göttin nützen sich zur Vervollständigung ihres Wissens und zum Austausch von Rezepten und Heilmethoden. 
 

Die Xurl-Geweihten

Von jeher war das Wasser ein wichtiger Bestandteil für das Gedeihen des Lebens. Daher sind die Xurl-Priester auch des Heilens fähig. Oftmals verbringt der Xurl-Priester sein Leben als Bader oder Badestubeninhaber. In diesem Beruf spezialisiert er sich besonders auf die Herstellung von Salben, Tinkturen, Aufgüssen und Massageölen. Besonders heilkräftig ist die Beimengung von Wasser gesegneter Quellen, die nur den Xurl-Priestern bekannt sind. In den Badestuben wird bei leichteren Leiden Linderung verschafft durch Massagen, Waschungen, Schwitz- und Duftbäder. Auch schwerere Leiden wie z. B. Verbrennungen, schlimme Ausschläge und Ekzeme wissen die Xurl-Geweihten zu behandeln. 
Bei starken Regenfällen besänftigen die Geweihten Xurl und beten darum, er möge den Wassermassen Einhalt gebieten. In Trockenzeiten hingegen bitten sie den Gott um das lebensspendende Naß. 
Seit der Zeit von Leyra, der großen Weissagerin, sind die Xurl-Priester auch in der Orakelkunst bewandert. Das Xurl-Orakel wird an wenigen Seen, die in verborgenen Höhlen liegen, von vier Hochgeweihten in einem geheimnisvollen Ritual vollzogen.

Die Ausbildung zum Xurl-Geweihten

Nach mehreren Jahren Ausbildung in einer Badestube oder bei einem Bader und einer Einführung in die Pflanzenkunde hat der angehende Xurl-Geweihte sich auf eine Reise zu begeben. Diese führt ihn in die Höhle der Leyra, die sich in den südlichen Ausläufern des Schlangenkamms nördlich von Al-Safani in der Grafschaft Darian befindet. Dort erhält er nach einer Waschung im See von den hochgeweihten Hütern des Orakels ein Amulett des Xurl und eine Weissagung über das Ziel seines Wirkens.

Darstellung der Xurl-Geweihten

Die Kleidung eines Xurl-Geweihten ist zweckmäßig. Oftmals hat das Gewand wellenverzierte Borten und ist vorzugsweise blau. Das Xurl-Amulett ist unabdingbar, denn diesem Symbol vertrauen die Hilfesuchenden, da es auf eine fundierte Ausbildung hinweist. Zu ihrer Grundausstattung gehören verschiedene Öle, Düfte, Tinkturen und Salben, welche hoffentlich gut verpackt und sicher verwahrt sind.
Natürlich unterscheiden sich die Anwendungsmethoden verschiedener Xurl-Geweihter, und so kann auch nach der Ausbildung noch Neues von Gleichgesinnten gelernt und mit diesen ausgetauscht werden.

Die Saarka-Geweihten

Die Saarka-Geweihten werden in der Öffentlichkeit meist etwas zwiespältig gesehen. Für die Frauen sind die Dienste der Saarkani im Bereich der Geburtshilfe, Schwangerschaftsbetreuung, Verhütung und Frauenleiden aller Art unverzichtbar. Unglücklich Verliebten können sie helfen mit allerlei Liebestränken und anregenden Duftwassern. Jedoch ängstigen sich die Menschen auch vor den Saarka-Priesterinnen wegen der Macht, die ihnen die dunkle Göttin verleiht, die sie mit dunklen Zeremonien an geheimen Kultstätten anbeten. Die Flüche der Saarkani sind meist sehr mächtig und schwer wieder aufzuheben. Auch ihr umfassendes Wissen von giftigen Pflanzen, die sie zu hochwertigen Tinkturen und Salben verarbeiten, verbreitet Furcht in der Bevölkerung. Dennoch sind die Saarka-Geweihten auch in der Lage ihre Kenntnisse im Bereich der Heilkunde anzuwenden. Hier sind im Besonderen die Heilung der Lykanthropie und des Wochenbettfiebers zu nennen. Manche der Geweihten sind auch mit der Gabe des Hellsehens gesegnet und erteilen Hilfesuchenden Ratschläge für die Zukunft, indem sie ihnen die Tarot-Karten legen oder einen Blick in ihre Glaskugel gewähren. Es ist auch unter den Saarkani verboten und zudem ein Verstoß gegen die Göttin die gegebene Macht und Kraft willkürlich einzusetzen. 
 

Die Ausbildung zur Saarka-Geweihten

Eine Saarka-Geweihte hat immer eine oder mehrere junge Mädchen in ihrem Haus, um diese in die Geheimnisse der Göttin einzuweihen. Oft sind es die Töchter der Saarkani, da bei diesen die Kraft der Göttin bereits vererbt wurde. Die Ausbildungszeit hängt von der Aufnahmefähigkeit und spirituellen Kraft der Frau ab. Am Ende der Ausbildung kennt die angehende Saarkani sämtliche Gifte, heilkräftige Pflanzen, deren Wirkung und Weiterverarbeitung, sowie hat sie schon mehreren Frauen bei der Geburt geholfen. Außerdem werden ihr der Umgang und der Wortlaut aller Beschwörungen und Gebete an die Göttin gelehrt. Der Zeitpunkt der Weihe wird von der Meisterin bestimmt. Diese findet dann in der Nacht des ersten Mondes der Saarka statt, da der Mond in seiner vollen Pracht am Firmament steht. Bei einer Zeremonie, die von vier Hochgeweihten geleitet wird, wird die neue Saarkani in die Gemeinschaft aufgenommen. In sehr seltenen Fällen, und nur nach eingehender Prüfung der Eignung kann auch ein Mann zum Saarka-Priester ausgebildet werden. 
 

Darstellung einer Saarka-Geweihten

Die meisten Saarkani legen Wert auf eine attraktive Erscheinung und charismatische Ausstrahlung, die sie auch durch ihre Kleidung unterstreichen. Ein offen getragenes Saarka-Amulett ist nicht nötig, da nicht Jedermann gleich wissen muß, daß sie Saarkani sind, denn untereinander erkennen sie sich. Das Rezeptbuch und einen Vorrat an Tinkturen, Salben und Kräutern tragen sie immer mit sich. Weiterhin sind je nach Ausbildung der Person Tarot-Karten oder Glaskugel wichtiges Inventar.
 

Jüngste Geschichte

Seit der Verbreitung des Ceridentums, besonders im Herzogtum Ostarien, ist die Macht und der Einfluß der Ogeden-Priester eingeschränkt. Während in früheren Zeit kein Ogeden-Geweihter um seine Stellung oder sein Ansehen fürchten mußte, so sind sie jetzt aus einigen Baronien völlig verdrängt worden. Ihre Aufgaben im Bereich der Krankenpflege und Heilung wurden von Ceridenmönchen übernommen, die in ihren Klöstern Siechen-häuser eingerichtet haben. Meistens geschah dies ohne großes Aufsehen und die Ogeden-Priester zogen sich widerstandslos zurück. Nur die Saarkani kämpfen noch heute gegen die Verbreitung des Ceridentums und werden daher auch von ceridischen Herrschern verfolgt. Mit der Gründung der Inquisition schuf sich die ceridische Kirche die Rechtsgrundlage gegen "Zauberey und Hexerey" mit aller Schärfe vorzugehen. Dies trifft natürlich vor allem die Saarka-Geweihten, die wegen ihren Kenntnissen in der Giftkunde und anderen für das gemeine Volk undurchsichtigen Methoden, schon immer Argwohn entgegen gebracht wurde. Ein Ende dieses Konfliktes ist auch nicht abzusehen, da keine der beiden Kontrahenten unnachgiebig und verbittert um ihren Einfluß kämpfen.
 

Die Schutzpatronen Heligonias

Seit der Zeit, da die Menschen über die große Jolsee kamen und begannen, Heligonia zu besiedeln, haben immer wieder Menschen gelebt, die besondere Heldentaten vollbrachten und so ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte wurden. Einige von ihnen waren so unvergeßlich, daß man die Wochentage zu ihrem Angedenken benannte. Andere wiederum werden an besonderen Feiertagen geehrt, denn die Schutzpatronen gelten als Mittler zwischen den Göttern und den Menschen. Daher bekamen auch ihre Seelen einen Ehrenplatz am nächtlichen Himmel und sind als Sternbilder zu erkennen. Die wichtigsten Legenden sollen nun hier niedergeschrieben werden:
 

Rhyana, die Schutzpatronin der Jagd

Sternbild: das Reh
Rhyana lebte vor etwa 600 Jahren mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf in den dichten Wäldern der Baronie Tolens. Oft begleitete sie ihren Vater bei der Jagd, die die kleine Familie gut ernährte. Das Handwerk des Vaters bereitete ihr viel Freude, sie genoß die langen Ausflüge durch den Wald und zeigte bald selbst ein großes Geschick im Umgang mit Pfeil und Bogen. Da sie Mitleid mit den Geschöpfen des Waldes hatte, erlegte sie immer nur so viel Wild, wie sie zum Leben brauchte. Auch war ihr Schuß so präzise, daß kein Tier unnötig lange zu leiden hatte. Als Rhyana erwachsen geworden war und ihre Eltern zu alt waren, um auf die Jagd zu gehen, durchstreifte sie allein die Wälder. Da begab es sich, daß sie eines Tages ein seltsames Geräusch vernahm. Sie näherte sich vorsichtig den Lauten und fand ein Reh, das verletzt am Boden lag. Schon wollte sie ihren Bogen spannen und das Tier von seinem Leiden erlösen, als Rhyana entdeckte, was das Tier so zugerichtet hatte. Der rechte Vorderlauf des Rehs war von einem Fangeisen umschlossen. Sie benötigte ihre ganze Kraft, um die hinterlistige Falle vom Fuß des Rehs zu entfernen. Sie nahm das Tier auf und trug es nach Hause, wo sie das schwer verletzte Geschöpf verband und pflegte, bis es wieder laufen konnte. Doch als Rhyana das Reh wieder in die Freiheit wieder in die Freiheit entließ, befestigte sie ihm ein rotes Band um den Hals, damit sie es immer wiedererkennen konnte. 
Viele Jahre vergingen, Rhyana hatte einen Gefährten und Kinder, als sie wieder einmal zur Jagd aufbrach. Doch dieser Tag brachte ihr kein Jagdglück, und sie mußte tiefer als sonst in die Wälder vordringen. Als nun noch ein Sturmgewitter heranzog, irrte sie orientierungslos herum, bis sie Unterschlupf in einer Höhle fand. Nachdem sich der Sturm legte, wollte Rhyana den Heimweg antreten, konnte aber den Pfad nicht mehr finden. Da stand auf einmal das Reh mit dem roten Band vor ihr, begrüßte sie und wies ihr den Weg zurück. Im Dorf angekommen wurde sie überglücklich empfangen, da man sie bereits tot wähnte, und sie berichtete den Dorfbewohnern von ihrer Rettung.
Lange nach dem Tod Rhyanas begab es sich immer wieder, daß Menschen, die sich in den dichten Wäldern von Tolens verliefen, von einem Reh mit einem roten Band zurück auf den richtigen Weg geführt wurden. Auch in anderen Gebieten Heligonias wurde sich diese Geschichte erzählt, und die weisen Ogeden-Priester kamen zu der Erkenntnis, daß Rhyana selbst dieses Reh ist. Um sie zu Ehren wurde der zweite Tag der Woche nach ihr benannt. Jeder Jäger entrichtet ein Gebet vor der Jagd an sie, und wenn man von einer "Rhyana gefälligen Jagd" spricht meint man, daß das Wild schnell, ohne hinterlistige Fallen und maßvoll erlegt wird. 
 

Magelona, die Schutzpatronin der Weinlese

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In jener Zeit, da König Corenus I das heligonische Reich einigte, lebte in der Grafschaft Drachenhain eine Ogeden-Priesterin der Poëna namens Magelona. Sie war eine außergewöhnlich lebenslustige und schöne Frau mit langen, schwarzen Haaren und dunklen Augen. Ihr ganzes Leben hatte sie der Erforschung und Nutzung der reichhaltigen Fauna und Flora gewidmet. Viele der von ihr entdeckten Pflanzen waren nicht nur schön, sondern auch wohlschmeckend und heilend. Selbst den betörenden Geruch manchen Krautes wußte sie mit heilenden Ölen zu mischen und stellte so intensiv duftende Essenzen zur Salbung des Leibes her. Viele der heute gebräuchlichen Rezepte gehen auf ihre Forschungen zurück. 
Auf einer ihrer langen Wanderungen durch die Wiesen und Heidegebiete entdeckte sie eines Tages eine wilde Weinpflanze mit kleinen, reifen, wohlschmeckenden Trauben. Magelona grub diese aus und pflanzte sie in ihren Kräutergarten ein. Es dauerte weitere zwei Jahre, bis aus dem Pflänzlein eine kräftige Rebe geworden war. Geschickt gelang es der Ogeden-Priesterin durch Pflege, Schnitt und Düngung, daß die Weinrebe größere Früchte hervorbrachte und sich stetig vermehrte. Der gepreßte Saft aus den Trauben eignet sich hervorragend dazu, den Durst zu löschen, und getrocknet können die Früchte während der ganzen Saarka-Zeit aufbewahrt und gegessen werden. Als Magelona einst nach einer längeren Reise wieder heimkehrte, holte sie den Krug mit Traubensaft und trank. Doch der Geschmack des Getränkes hatte sich verändert und nach dem Genuß desselben verspürte sie ein wohliges und prickelndes Gefühl im Leibe. Nun freute sie sich und dankte ihrer Göttin, daß sie nun die wahre Heilkraft und das Geheimnis der Trauben erkannt hatte. Eilends verfeinerte sie das Rezept, und es fanden sich viele Bauern, die nach ihrer Anleitung Reben pflanzten und das Traubenblut, wie es inzwischen genannt wurde, herstellten. Bald waren die Menschen in der Region in ganz Heligonia für ihr göttergefälliges Getränk bekannt und der Verkauf bescherte Ruhm und Wohlstand. Später, als dieser Landstrich entlang des Jolborns zur Baronie wurde, nannte man die Baronie Rebenhain, zu Ehren jener Pflanze, die die Bevölkerung wohlhabend gemacht hat. Magelona wird in jedem Jahr am 15. Tage des 1. Xurl geehrt, wenn man die Traubenlese feiert, indem das ganze Volk Rebenhains singt, tanzt und reichlich Traubenblut trinkt. 
 

Redon, der Schutzpatron der Seefahrt

Sternbild: der Anker
Es begab sich vor langer Zeit, daß an der Küste des ehemaligen Herzogtums Valmera ein junges Mädchen namens Dellana lebte. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie mit der Fischerei. Als Dellana wieder einmal mit ihrem Boot auf die Jolsee hinaus fuhr, sang sie ein Lied. Dies hörte der Gott Xurl und war von dem Klang ihrer Stimme bezaubert. Er nahm Menschengestalt an und stieg zu ihr ins Boot. Xurl gestand Dellana seine Zuneigung, die von ihr erwidert wurde. Fort an trafen sie sich regelmäßig und schon bald trug Dellana ein Kind unter ihrem Herzen. Xurl war darüber sehr erfreut, als Dellana ihm einen Sohn gebar, den sie Redon nannten. Der Gott besuchte die beiden regelmäßig, und in den Jahren darauf unternahm er viele Ausflüge mit seinem Sohn auf das Meer hinaus. Xurl verlieh ihm die Gabe, sowohl an Land als auch unter Wasser leben zu können. Auf einer ihrer Reisen durch die Jolsee beobachteten die beiden, wie Fischer ihre Netze auswarfen und einen Schwarm Jolfische fingen. Diese Fischer jedoch fingen nicht nur die Fische, die sie benötigten, um sich und die ihren zu ernähren, sondern zogen wahllos alle Fische an Land und warfen die kleinen wieder tot ins Meer zurück. Diese Maßlosigkeit erzürnte Xurl und Redon, und sie bestraften die Fischer damit, daß ihnen fortan keine Fische mehr ins Netz gingen. Dies hätte für die Fischer der Hungertod bedeutet. So hatte Redon Mitleid und sprach mit ihnen. Sie baten um Verzeihung und versprachen, von nun an nie wieder unmäßig zu sein. Redon legte bei seinem Vater ein gutes Wort für die Fischer ein und er hob die Bestrafung auf. Seit dieser Zeit spricht jeder Fischer, bevor er sein Netz auswirft, ein Dankgebet zu Redon. 
Keiner weiß wirklich, was aus Redon geworden ist, aber es gab immer wieder Fischer, die behaupteten, ihn gesehen zu haben, wie er aus der Jolsee auftaucht, die Menschen beim Fischen beobachtet und wieder in den Fluten verschwindet. Einige Mythen berichten von Neckern und Nixen, die am Grunde des Meeres leben sollen und die Nachkommen von Redon sind. 
 

Xaroch, der Schutzpatron des Bergbaus

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Sternbild: der Meißel
In der Zeit, als Heligonia nichts weiter war als ein Flickenteppich aus kleinen Ansiedlungen, brach ein furchtbares Unglück über die Menschen herein. Kaum waren die ersten Erzminen in den südlichen Ausläufern des Schlangenkamms entdeckt, schon machten sich die Menschen daran, diese auszubeuten. Manche fragten sich, wer denn wohl diese Schächte und Bingen angelegt hatte, die eigentlich zu klein für einen Menschen sind. Einige erzählten Geschichten vom kleinen Volk, das hier gelebt haben soll. Sie hätten die Minen gegraben und seien die Meister der Bau- und Schmiedekunst. Den ganzen Schlangenkamm entlang bis weit in den Norden sollen schmale Durchgänge und Höhlen bestehen, in denen sich die kleinen Menschen aufhalten. Ein Bergmann berichtete gar von einer unterirdischen Stadt, die er hinter einem verschütteten Stollen entdeckt haben soll. Diese Legenden und Geschichten von den Zwergen wurden gerne abends an den Feuern erzählt. 
Nun begab es sich, daß die Bergleute befanden, die Minen seien viel zu eng, um sich ordentlich darin bewegen zu können, und sie beschlossen, die Stollen zu erweitern. Auch wollten sie tiefer in die Berge eindringen, um den Ertrag zu steigern. In diesen Tagen wurden viele mächtige Bäume geschlagen, um die Stollen abzustützen. Das Hämmern und Klopfen in den Bingen klang noch weit über das Land der heutigen Grafschaft Darian. 
Aus den Gipfeln des Berges drang Rauch, ein Zeichen, daß die arbeitenden Menschen nicht beachten wollten und selbst den Worten eines Helios-Priesters, der ein nahes Unheil verkündete, schenkten sie kein Gehör. So kam es, daß eines Morgens die Bergleute in die Stollen gingen und ein dumpfes Grollen vernahmen. Die Luft schien sich nicht zu bewegen und Mensch und Tier fiel das Atmen schwer. Helios selbst zeigt sich nicht am Himmel, der in dicke graue Wolken gehüllt war. Ungeachtet er schlechten Vorzeichen gingen die Bergleute an ihr Tagwerk. Doch plötzlich tat sich ein Spalt in einer der Höhlen auf, und flüssiges Feuer trat heraus. Entsetzt und voller Panik versuchten die Arbeiter ins Freie zu gelangen, doch wohin sie auch flohen, überall schoß heißer Dampf und brennende Flüssigkeit aus den Gängen der Bingen. Viele der Frauen und Männer hatten schon ihr Leben gelassen und die wenigen Überlebenden glaubten bereits die Schwingen Gwons gehört zu haben. Plötzlich trat ihnen ein Mann, kaum größer als ein Kind, mit einem langen Bart und einer riesigen Spitzhacke in den Weg. Noch ehe die Menschen ihre Überraschung überwunden hatten, sprach der Zwerg: "Nicht genug, daß ihr unsere Minen in Besitz genommen habt und uns in unserer Welt stört und verdrängt, nein, ihr habt auch Poenas Leib geschändet und den Zorn Saarkas beschworen. Sie hat nun das flüssige Schmiedefeuer unseres Gottes Xetoch entfesselt, um euch zu strafen. Doch ich habe Mitleid mit euch. Ihr seid noch so unwissend in eurem Tun und es ist euch auch nur ein kurzes Leben vergönnt, also will ich euch helfen, dieses zu bewahren." Mit ein paar kräftigen Hieben schlug er seine Hacke in eine Wand und öffnete so einen Zugang zu einer Halle mit mächtigen Säulen. Er wies den Menschen den Weg, der sie ins Freie führen sollte. Dort verabschiedete er sich mit den Worten: "Mein Name ist Xaroch und ich gebe euch einen Rat mit auf euer weiteres Leben: Immer, wenn ihr das Zeichen unseres Gottes, ein mit einem Hammer gekreuzter Meißel an einer Wand in einer der Bingen entdeckt, dann fahrt nicht fort mit eurer Arbeit und schlagt keine weiteren Wunden in den Leib Poenas. Befolgt ihr dies, dann widerfährt euch kein Unheil dieser Art mehr." Ohne ein weiteres Wort verschwand er in der Mine. Doch seine Warnung blieb unvergessen, und immer, wenn das Zeichen des Gottes Xetoch zu sehen war, trieb kein Bergmann mehr seine Hacke auch nur einen Schlag weiter in den Stollen hinein. In Darian wird Xaroch noch heute gedankt und von den Bergleuten als Schutzpatron verehrt. Nach ihm wurde der höchste Berg im darianischen Teil des Schlangenkamms benannt. Von Zeit zu Zeit steigt eine dünne Rauchsäule vom Gipfel des Berges auf, für die Menschen ein Zeichen von Xaroch, die Arbeit im Berg ruhen zu lassen.
 

Sanais, die Schutzpatronin der Liebenden

Sternbild: der Ring
Es begab sich einst in der schönen Stadt Betis, daß sich zwei junge Menschen, Andasina und Ragor, anläßlich eines großen Markttages, kennenlernten. Ragor war ein Tuchhändler aus Zysar und Andasina war die Tochter einer angesehenen und reichen Händlerfamilie aus Betis. Ragor bot seine Waren auf dem Marktplatz feil, als Andasina an seinem Stand stehenblieb, um seine Stoffe zu bewundern. Schon nach einem kurzen Gespräch wußten beide, daß sie sich liebten und sie verabredeten sich für den nächsten Tag und von da an sahen sie sich regelmäßig. Doch eine der Dienerinnen Andasinas berichtete dies den Eltern, die darüber sehr erbost waren. Hatten sie doch schon seit längerer Zeit bessere Pläne für ihre Tochter gemacht. In Betis gab es mehrere reiche Händlersöhne, die an einer Heirat mit der schönen Andasina interessiert waren. Eine solche Verbindung wäre ein Machtzuwachs für beide Familie gewesen. Die Liebe zu dem einfachen Tuchhändler mußte daher unterbunden werden und es wurde Andasina verboten Ragor weiterhin zu treffen. Die Schergen ihres Vaters schleppten ihn aus der Stadt und bestachen den Kapitän eines Schiffes, daß dieser den Unglücklichen weit weg bringen soll. Andasina erzählten sie, daß ihr Geliebter eine größere Summe Dukaten erhalten habe, mit denen er sich dann davongemacht hätte. Doch sie konnte nicht glauben, daß Ragor sie so schmählich im Stich gelassen hatte und schlich sich eines nachts davon, um ihn zu suchen. Zwei Jahre irrte sich durchs Land und fragte alle Menschen, die sie traf, ob sie Ragor gesehen hätten. Doch niemand konnte ihr eine Auskunft über ihn geben. Völlig verarmt und einsam kam sie schließlich in Wulfenstein, der Hauptstadt der Baronie Welzen an. Um nicht zu verhungern, klopfte sie an die Tür der Xurl-Geweihten und Baderin Sanais und bat diese am eine Stellung als Gehilfin. Sanais hatte Mitleid mit der jungen Frau und willigte ein. Andasina hatte Freude an ihrer Arbeit und man war mit ihr zufrieden. Einmal beobachtete sie, wie Sanais Verbindung mit ihrem Gott aufnahm, um eine Weissagung zu erhalten. Andasina erzählte der Xurl-Geweihten ihre Geschichte und fragte sie, ob sie ihr den Aufenthaltsort ihres Geliebten sagen könnte. Sanais befragte Xurl nach dem Verleib von Ragor und er gab ihr eine Vision. Am Himmel befinden sich vier Sterne, die verbunden einen Ring ergeben. Diesem Sternbild solle Andasina folgen, dann würde sie zu Ragor geführt. Und so geschah es auch. Die Liebenden fanden sich in Jewel wieder. Wie auch Andasina hatte Ragor nach ihr gesucht. Später kehrten sie noch einmal gemeinsam nach Wulfenstein zurück, um Sanais zu danken. Dort erfuhren sie die vollständige Vision, die sie von Xurl erhalten hatte. Nach ihrem Tode wird die Seele Sanais in das Sternbild als fünfter Stern mit aufgenommen und soll heller strahlen, als die anderen vier Sterne, um auch anderen Liebenden den Weg zu weisen. 
Sanais zu Ehren wird seither der Brauch gepflegt, daß das Paar, das eine Ehe eingehen möchte sich gegenseitig am Ende der Zeremonie einen Ring an den Finger steckt. 
 

Gorogal, der Schutzpatron der Gerechtigkeit

Sternbild: die Waage
Die Geschichten über den berühmten Helios-Hochgeweihten Gorogal sind so vielfältig, daß sie an dieser Stelle nicht alle erwähnt werden können. Zwar ist sein Leben und Wirken in zahlreichen Schriften beschrieben, doch blieb es allen Menschen ein Mysterium, warum er von den Göttern auserwählt war. Ungefähr im Jahre 480 v.A.III machte er sich nach einer Zwiesprache mit Helios auf, um den König zu finden, der das heligonische Reich einigen sollte. Nach jahrelanger Suche erschien Gorogal im Jahre 470 v.A.III mit einem jungen Mann vor einer Versammlung der heligonischen Adligen. "Dieser Mann," so sprach er, "ist von Helios auserwählt und wird unser erster König von Heligonia sein. Corenus soll sein Name sein, und er wird den Bewohnern Heligonias ein guter Herrscher werden." Doch die Adligen zweifelten an seinen Worten und wollten sich nicht von einem, der keiner von ihnen war, regieren lassen. Viele von ihnen wollten selbst die Königskrone tragen. Der damalige Herzog von Ostarien, Rolo, nannte Gorogal einen Lügner und forderte ihn auf, seine Behauptung zu beweisen. Der Hochgeweihte erhob seine Hände gen Himmel und flehte Helios um ein Zeichen an. Plötzlich schob sich ein Schatten über die Helios-Scheibe, und obwohl es um die Mittagszeit war, verdunkelte sich der Himmel, und kein Helios-Strahl drang mehr zu Poenas Leib herab. Dieses ergreifende Schauspiel überzeugte die Adligen, und sogar Herzog Rolo von Ostarien kniete vor Corenus nieder. In diesem Moment verschwand der Schatten vor der Helios-Scheibe, und Helios sandte seine Strahlen wieder herab. Die Krönung von König Corenus I fand im Jahre 469 v.A.III statt. In den darauffolgenden Jahren stand ihm Gorogal als Ratgeber und Freund treu zur Seite. Es wird vermutet, daß er der Urheber der Helios-Briefe war. Zu seinen Lebzeiten bildete er noch viele Frauen und Männer zu Helios-Geweihten aus und verfaßte Schriften über die Gerechtigkeit, auf deren Gültigkeit sich noch heute Helios-Geweihte berufen.
 

Waroniel, der Schutzpatron der Bardinnen und Barden

Sternbild: die Harfe
Noch heute singen die Bardinnen und Barden Heligonias die Lieder, die einst Waroniel geschrieben und vorgetragen hat. Doch sind dies nicht die Lieder, die einfach nur zur Unterhaltung gespielt und gesungen werden, sondern es sind besondere Stücke. Solche, die die Menschen verzaubern. Sie machen dem Krieger Mut vor oder während der Schlacht, versetzen Menschen in wohltuenden Schlaf und lassen sogar das Herz von Tyrannen erweichen. Wann genau Waroniel gelebt hat, läßt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Auch der Wahrheitsgehalt der zahlreichen Legenden über ihn ist nicht mehr nachprüfbar. Tatsache ist jedoch, daß viele alte Burgen im Königreich Wandmalereien oder Gemälde besitzen, die den Barden mit seiner Harfe zeigen. Denn Waroniel zog als Nachrichtenüberbringer und Botschafter von einem Hof zum anderen, um die Damen und Herren mit Neuigkeiten zu versorgen. Eines seiner bekanntesten Stücke ist das "Drachenlied". Der Inhalt sei hier zusammengefaßt wiedergegeben:
Waroniel befand sich auf einer Reise in den tiefen Norden, Richtung Nuremburg. Obwohl die Tage des Xurl noch nicht zu Ende waren, fiel in den Drachenzinnen schon Schnee. Dieser Umstand zwang Waroniel dazu umzukehren und in Vjoshaven die Monde der Poëna abzuwarten. Die Einwohner waren natürlich erfreut über den überraschenden Besuch und die Aussicht einen unterhaltsamen Saarka zu verbringen. Doch hatten die Vjoshavener bald mehr Unterhaltung, als ihnen lieb war, denn ein Drache suchte die Stadt heim und raubte Vieh. Tapfere Frauen und Männer schlossen sich zusammen, um das geflügelte Ungeheuer zu bekämpfen. Doch wann immer der Drache auftauchte, um seinen Hunger zu stillen, erstarrten sie vor Angst und waren unfähig auch nur einen Speer nach ihm zu werfen. Also ersuchten die Bewohner Waroniel um Rat und Hilfe. Dieser begab sich mit seiner Harfe auf den Turm der Stadt und erwartete dort den Drachen. Als das Ungetüm am Horizont auftauchte, stimmte Waroniel ein Lied auf seiner Harfe an und begann zu singen. Neugierig ließ der Drache sich auf dem Turm nieder und lauschte den Klängen der Musik. Doch die Macht des Barden ward so mächtig, daß der Drache bald nicht mehr in der Lage war sich zu bewegen und langsam erstarrte er zu Stein. Der Jubel und die Erleichterung in der Bevölkerung war groß. Noch heute sitzt der steinerne Drachen auf dem Turm von Vjoshaven und die Bewohner beginnen jeden 1. Tag des 1. Saarka mit einem Fest zu Ehren Waroniels, der einst ihre Stadt von diesem Übel befreit hat.
Nun sei noch vom sowohl traurigen, als auch geheimnisvollen Ende Waroniels berichtet: Waroniel zog durch die Lande, um sich mit seiner Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er besuchte die verschiedenen Höfe, Burgen und Schlösser und erfreute die hohen Herrschaften mit Liedern, Gedichten und Neuigkeiten aus der Welt. Waroniel hatte dieses Leben aus freien Zügen gewählt - er hätte auch das Geschäft seiner Eltern übernehmen können; doch es zog ihn in die Ferne, hin zum Fremden und Abenteuerlichen.
Während seiner Reisen baten ihn viele junge Leute, von ihm unterrichtet zu werden, und tatsächlich hatte er fast immer einen Schüler bei sich. So gingen die Jahre ins Land, und auch nachdem Waroniel gut sechzig Winter erlebt hatte, war seine Lust auf die Fremde ungetrübt. Sein letzter Schüler hatte den Namen Ilyan. Zusammen mit ihm besuchte er die Burg des Fürsten Gornoth, der weithin für seinen Jähzorn und seine Grimmigkeit bekannt war. Ilyan versuchte zunächst, seinen Lehrmeister von dem Besuch abzubringen, doch dieser winkte ab. »Laß uns doch versuchen, ob nicht ein wenig Musik das Herz des Herren Gornoth erweichen kann« sagte er zu seinem Lehrling, als die beiden ihre Instrumente für den bevorstehenden Auftritt stimmten. Ilyan war zwar noch immer nicht ganz überzeugt, doch er stimmte seinem Meister mit gespielter Fröhlichkeit zu.
Gemeinsam betraten sie den Thronsaal. Ilyan hatte einige Flöten und Pfeifen dabei, Waroniel trug nur seine Harfe unter dem Arm. Sie spielten gemeinsam verschiedene fröhliche Tänze und gaben einige lustige Lieder zum Besten. Der Zauber der Musik breitete sich allmählich auf das gesamte Publikum aus, und sogar Fürst Gornoth lächelte ab und zu. Zum Schluß stimmten sie ein Duett an, das nur Waroniel auf seiner Harfe begleitete. Sie woben zusammen eine getragene, leicht melancholische Melodie, die allen Zuhörern zu Herzen ging. Das Lied neigte sich dem Ende zu, als plötzlich mit einem peitschenden Geräusch die Saite, die Waroniel gerade zupfen wollte, riß. Stille breitete sich aus.
Der Bann war gebrochen.
Die Stimmung war dahin. 
»Hexer!« brüllte Gornoth plötzlich, der nicht glauben konnte, daß er rührselig und traurig geworden war. Er befahl seinen Wachen, die beiden Sänger zu ergreifen. »Holt den Scharfrichter! Tötet die Hexer!« Die beiden wurden in getrennte Zellen gesteckt. Angstvoll kauerte sich Ilyan in eine Ecke und erwartete sein Schicksal.
Ilyan mußte schließlich doch eingeschlafen sein - denn als er die Augen aufschlug, drang Morgenlicht aus einem kleinen Loch in seine Zelle. Kurze Zeit später polterte es an der Tür. Eine Wache öffnete sie und reichte dem verwunderten Ilyan die Harfe seines Meisters. »Du kannst gehen«, sagte die Wache zu ihm. Auf die verdutzte Frage Ilyans, was aus seinem Lehrer geworden sei, berichtete der Soldat: »Dein Meister hat bei unserem Herrn für Dich um Gnade gebeten, bevor er zum Schafott geführt wurde. Ich weiß nicht warum, doch der Fürst befahl, Dich heute früh auf freien Fuß zu setzten. Was mit Deinem Meister weiter geschah, ist sehr seltsam: Der Henker behauptet, Waroniel hätte eine Melodie gesummt, das unsagbar traurig klang, bevor er mit dem Schwert ausholte. Dann habe es einen grellen Lichtblitz gegeben, und als alle wieder sehen konnten, war Dein Meister verschwunden.«
Verwundert und tief traurig über die Vorkommnisse verließ Ilyan auf schnellstem Wege die Stadt. Die Harfe seines Meisters verkaufte er an einen anderen Musiker - zu viele Erinnerungen verbanden ihn mit dem Instrument. Die gerissene Saite jedoch nahm er ab und flocht sich daraus ein Band, das er sich um sein Handgelenk schnürte.
Er blieb noch einige Zeit in dem Landstrich, um den Leuten mit Liedern von den Vorkommnissen auf der Burg zu berichten. Dann zog er wie sein Meister weiter durch die Lande. Nach etwa einem halben Jahr erreichte ihn die Neuigkeit, daß das erzürnte Volk Gornoths Burg gestürmt und den Tyrannen gelyncht hatte.
Etwa zu dieser Zeit entdeckten die Gelehrten zwei neue Sterne am Himmel, die zusammen mit bereits bekannten Gestirnen das Sternbild der Harfe formen.
Noch heute wird den Bardlingen die Legende von Waroniel und Ilyan erzählt; und in Erinnerung an ihren Schutzpatron erhalten alle Bardlinge zum Abschluß ihrer Lehre ein Armband, das aus einer Saite geflochten ist. Dieses Waronielband soll sie beschützen und leiten, aber auch daran erinnern, was passieren kann, wenn das Geflecht eines Bardenlieds abrupt zerreißt.
 

Lanera, die Schutzpatronin der Kriegerinnen und Krieger

Sternbild: das Schwert

Einst begab es sich, daß Saarka ihre Unterwelt verließ, um sich bei den Menschen umzusehen. Wie alle der vier Götter hat auch sie Gefallen an den Geschöpfen dieser Weltenschale und sie zu besuchen bereitet ihnen Freude und Abwechslung. Ihre Aufmerksamkeit gilt vor allem den jungen Saarkani, die sie, falls diese sich als würdig erweisen, zu Hochgeweihten beruft. So lernte sie Lanera kennen, die bereits die ersten beiden Jahre ihrer Ausbildung zur Saarka-Geweihten hinter sich hatte. Doch ihre Lehrmeisterin zeigte sich keineswegs zufrieden mit den Fortschritten, die Lanera während ihrer Lehrjahre gemacht hatte. Lanera war es leid Rezepte zu studieren und Kräuter zu sammeln. Sie hatte ein ungestümes Temperament und wollte lieber auf ihrem Pferd reiten und sich im Schwertkampf üben. Gerade dies erweckte das Wohlwollen der Göttin und so beschloß sie Lanera selbst auszubilden und ihr die Künste und Regeln des Kampfes beizubringen. Als sie kräftig und erfahren genug war, ließ Saarka von dem Zwergengott Xetoch ein Schwert schmieden und überreichte es Lanera mit der Aufgabe, daß sie von nun an ihr Leben im Kampf für die Göttin auf der Erdenschale führen soll. Dies war zu einer Zeit, als Heligonia noch nicht das friedliche Land war, das es heute ist. Vom Norden des Landes her drangen immer wieder Schreckensnachrichten von riesigen Monstern, die die neugegründeten Menschensiedlungen angriffen, zerstörten und die Bewohner allesamt abschlachteten. Um diese zu bekämpfen entsandte Saarka sie in den wilden Norden Heligonias. Auf ihrem Weg dorthin versammelte sie noch viele Frauen und Männer um sich, die mit ihr in die Schlacht zogen. Nördlich des Herzogtums Ostarien folgte Laena der Spur des Grauens und stieß schließlich auf einen schrecklichen Gegner. Sie standen einer wilden Horde humanoider Monster gegenüber, die doppelt so groß wie Menschen waren. Sie trugen keine Kleider, denn ihr Körper war dicht behaart. Beim Anblick in das grobe Gesicht dieser Wesen stockte den Kämpfern der Atem, den zwei riesige Reißzähne ragten aus ihren Mäulern. Wovon sich die Bestien ernähren, war nicht schwer zu erraten, denn als Schmuck trugen sie menschliche Schädel und Gebeine. Laena erflehte den Schutz und den Segen ihrer Göttin und führte ihre Kämpfer in die Schlacht. Viele ihrer tapferen Anhängerinnen und Anhänger mußten ihr Leben lassen und wurden von den Monstern grausam erschlagen. Doch die Ausdauer und Geschicklichkeit ließ die Menschen nach vielen Stunden erbitterten Kampfes siegen. Nur wenige der Bestien gelang es zu entkommen und es folgte auch weiterhin kein Überfall mehr auf eine Siedlung. Laena selbst wurde schwer verletzt nach Escandra gebracht. Eine Keule hatte ihr linkes Bein zertrümmert. Verzweifelt fragte Laena die Göttin, wie sie ihr weiterhin dienen könnte, wenn sie als Krüppel umhergehen müßte. Saarka schickte sie in die Baronie Anthan und zeigte ihr einen Fels, auf der Laena mit ihren verbliebenen Getreuen eine Burg mit Namen Mahanel bauen soll. Hier gründete Laena eine Krieger-Akademie für Frauen, die ihr Leben der Göttin und dem Kampf gewidmet haben. Ein Wandteppich im Empfangssaal erzählt noch heute von der blutigen Schlacht gegen die grausamen Ungeheuer. Fremde jedoch haben selten die Gelegenheit diese Burg zu betreten. Die Saarka-Geweihten führen dort ein abgeschiedenes Dasein und so ist wenig über das Leben in Mahanel bekannt. Nur wenn der König die Kriegerinnen für eine wichtige Schlacht anfordert, verlassen die Saarka-Kriegerinnen ihre Burg. So ereignete es sich, daß viele Jahre nach Laenas Tod die Herzogtümer Ostarien und Ligonii Krieg hatte. Der Sieg war Ostarien bereits sicher, als ein Banner Saarka-Kriegerinnen das Schlachtfeld stürmte. Viele Augenzeugen berichteten, daß es Laena selbst war, die auf einem schwarzen Roß ihre Streiterinnen anführte und durch ihre geschickte Schwertführung die Ostarier zurückdrängen konnte. Doch nach der Schlacht konnte keiner Laena finden, weder unter den Lebenden, noch unter den Toten. Da wußten die Menschen, daß sie von Saarka geschickt wurde, um einen göttergefälligen Ausgang des Krieges herbeizuführen. In der darauffolgenden Zeit entstanden noch viele Geschichten, wie Laena eine Schlacht entschieden haben soll. Jeder gläubige Ogede erbittet den Schutz Laenas, bevor er in einen Krieg zieht und hofft, sie möge ihm siegreich zur Seite stehn.
Heute, da Friede im Land herrscht erscheinen die Saarka-Kriegerinnen immer dann, wenn einer ihrer Schwestern ein Unrecht widerfährt. Auch an wichtigen Turnieren stellen die Streiterinnen ihre Kampftüchtigkeit unter Beweis und überall werden sie wegen ihrer Schönheit und Stärke bewundert. 
 

Der ogedische Totenkult

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"Alles Leben beginnt mit dem Tod." Das ist eine alte ogedische Weisheit, die von den Geweihten der vier Götter verkündet wird. Sie nimmt den Menschen die Furcht vor dem Tod. Sie wissen, daß Poëna zwar ihre Leiber zurücknimmt, jedoch ihre Seelen unsterblich sind. Diese trägt Gwon, der Götterfalke, zu Helios an das Himmelszelt, wo sie als Sterne in der Nacht strahlen. Demnach ist der Tod eines Menschen die Geburt eines neuen Sterns. Der Körper geht wieder in den Kreislauf der Natur ein, wie das Laub im Xurl, das im Saarka zu fruchtbarer Erde zerfällt und im Poëna mit der Kraft und Wärme Helios neues Leben wachsen läßt. Dennoch nehmen die ogedischen Gläubigen Abschied von ihren Verstorbenen und betrauern sie, weil jeder Mensch nach seinem Tod einen leeren Platz im Leben seiner Angehörigen und Freunde zurückläßt. Die Heimstätte der Toten wird "Poenas Garten" genannt. Jede Ansiedlung besitzt einen solchen Totengarten, der immer außerhalb des Dorfes oder der Stadt liegt und gleichzeitig ein Schrein für alle vier Götter ist. Mittelpunkt des Götterschreins ist ein großer Steinquader mit den Zeichen der Götter, auf dem der Verstorbene nach uralten Riten aufgebahrt wird. Am Tage des Todes wird der Leib gewaschen, gesalbt und mit dem Totengewand bekleidet. Der Steinquader wird reichlich mit Blumen und Kräutern geschmückt, bevor der Körper des Toten darauf gelegt wird. Während Helios in der Abendstille am Rande der Erdenschale versinkt, bitten die Angehörigen den Gott um die Aufnahme der Seele. Bei Einbruch der Dunkelheit verlassen alle das Heiligtum, bis auf einen oder mehrere Ogeden-Geweihte, der Totenwache hält. Dies hat nicht nur den Grund, den Leib vor wilden Tieren zu schützen, sondern auch, falls die Seele des Verstorbenen nicht zu Helios aufgestiegen ist, dann wird Saarka diese für sich beanspruchen. Der Geweihte wird dann die Göttin um Gnade für die Seele bitten, denn nicht das Weiterleben in der Unterwelt ist es, was die Menschen fürchten, sondern daß auch Saarka nicht bereit ist, sich der Seele anzunehmen. Die Göttin ist nicht gewillt, boshafte, niederträchtige und götterlose Seelen in ihrer Unterwelt zu beheimaten und wirft solche ihrer Schlange Zyberus zum Fraß vor. Diese Vorstellung macht den Menschen Angst, und um ihre Seele vor einem so schrecklichen Schicksal zu bewahren, sind sie stets bemüht ein göttergefälliges Leben zu führen. Wenn dann der Morgen graut, finden sich die Anhörigen wieder am Schrein ein und begraben ihren Toten an einer festgelegten Stelle rund um das Heiligtum. Innerhalb des inneren Steinkreises, rund um den Steinquader, werden nur die Geweihten oder Hochgeweihten der vier Götter bestattet. Die anderen Toten werden außerhalb, an einer der neun vom Zentrum wegstrebenden Obelisken, bestattet. Der Name des Toten wird zum Angedenken in den Obelisk gemeißelt und auf seinem Grab werden Blumen gepflanzt. Meist werden die Pflanzungen am Anfang der Jahreszeit der Poëna erneuert und so entstehen üppig blühende Blumengärten, woher auch der Name "Poenas Garten" herführt. 

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